Bürgermeister Ernst Thiel und die Stadt Merzig

Bürgermeister Ernst Thiel und die Stadt Merzig
Ernst Christian Thiel

Ernst Christian Thiel (* 01.08.1860, † 08.11.1932) wurde am 16. Juli 1887 als 27-jähriger berufen, das Amt des Bürgermeisters von Merzig Stadt und Merzig Land wahrzunehmen.

Ernst Thiel, der gebürtig aus Gummersbach stammte und seine ersten beruflichen Erfahrungen als Bürgermeister in Kyllburg gesammelt hatte, kam als Verwaltungsbeamter preußischer Schule mit vielen Ideen und unerbittlichem Einsatzwillen nach Merzig, um hier im Dienste der Stadt und der Menschen tätig sein zu können.

Ganz besonders lag ihm das Wohl der Bürger am Herzen. Zugute kam ihm und den Bürgern sicherlich auch der Aufschwung der Merziger Terrakottafabrik von Villeroy & Boch. Seine Frau Elle, mit der er sieben gemeinsame Söhne hatte, war eine Tochter des allseits bekannten und langjährigen Fabrikdirektors Alexander Spangenberg. Über diesen, seinen Schwiegervater, konnte er manchen Einfluss auf die Fabrik nehmen, wenn es darum ging, Merziger Bürgern Arbeit und Brot zu verschaffen.

Zu seinen hervorragenden Verdiensten gehörten neben der Neustrukturierung der Verwaltung unter anderem die Begradigung, Verbreiterung und Pflasterung der Straßen sowie die Errichtung der Zentralwasserleitungen in Merzig Stadt und Merzig Land, unter anderem mit dem Ziel, die Verbreitung von Krankheiten einzudämmen. Ebenso wie der Bau des Schlachthofes, um die Versorgung mit frischem Fleisch in Merzig zu gewährleisten und die Mitschöpfung des Stadtparks als Erholungsstätte. Auch die Freilegung der kath. Kirche St. Peter war Ergebnis seines Wirkens.

Villa-ThielDurch die Förderung von Gymnasium und Höherer Töchterschule (später Lyzeum), von Lehrerseminar und Präparandenanstalt setzte er den gehobenen Bildungsgedanken der damaligen Zeit um. Die heutigen Schulen Gymnasium am Stefansberg und Peter-Wust-Gymnasium finden ihren Ursprung in diesen Einrichtungen.

Auch an der Erbauung der Eisenbahnlinien Merzig-Losheim-Büschfeld und Merzig-Waldwiese-Metz hatte Bürgermeister Thiel großen Anteil.
Als Chef der Freiwilligen Feuerwehr war er großzügiger Organisator des Feuerlöschwesens, seine Wehr galt weithin als Vorbild.
Um die Jahrhundertwende fanden sich Mitglieder der Merziger Casino-Gesellschaft zusammen und spielten auf dem Platz auf dem Gelände der Villa Thiel ihren noch jungen Sport Tennis. Daneben förderte Ernst Thiel als Ehrenvorsitzender des Turnverein Merzig 1892 e.V. mit großem Interesse und Engagement den damaligen Gedanken der körperlichen Ertüchtigung.

Auf dem Gelände der Villa Thiel standen mehr als 1.000 Obstbäume, deren Erträge auch gerne von den Herziger Stadtbewohnern genutzt wurden, um sich mit frischem Obst zu versorgen.

Familie-ThielBürgermeister Thiel wurde aufgrund seines erfolgreichen Wirkens im Jahre 1910 schließlich auf Beschluss der damaligen Stadtverordneten zum Bürgermeister auf Lebenszeit wiedergewählt, um ihm langfristig die Geschicke der Stadt anzuvertrauen. Er übte dieses Amt zum Wohle der Bürger und der aufstrebenden Stadt 30 Jahre lang (1887 bis 1917) aus.

Mit 54 Jahren übernahm Ernst Thiel im Jahr 1914 zusätzlich das Kommando eines Landsturmbataillons (Saarlouis). Gemeinsam mit fünf seiner insgesamt sieben Söhne zog Ernst Thiel in den Krieg. Bereits in den beiden ersten Kriegsmonaten starben drei seiner Söhne in den Kriegswirren. Die schwere Krankheit Ruhr warf ihn im Herbst 1916 nieder und zwang ihn zu vorzeitiger Rückkehr vom Russlandfeldzug.

Er übernahm für kurze Zeit nochmals seine Amtsgeschäfte in Merzig, bevor er, tief gezeichnet durch seine eigene Krankheit, den Verlust seiner drei Söhne im Krieg sowie den frühen Tod seiner Ehefrau Elle 1917, am 13. Juli 1917 trotz Amt auf Lebenszeit auf eigenen Wunsch als gebrochener Mann aus den Diensten der Stadt ausschied.

Rathaus-Merzig1920 von den Franzosen als einziger Bürger der Stadt ausgewiesen, kehrte er ein Jahr später (1921) wieder in seine geliebte Stadt Merzig zurück.

Am 8. November 1932 verstarb er im 73sten Lebensjahr nach langem schweren Leiden.

Mit großem Engagement und Energie war es ihm während seiner Amtszeit gelungen, Merzig zu einer aufstrebenden Stadt zwischen Saarbrücken, Trier, Luxemburg und Metz zu entwickeln. Ernst Christian Thiel hat durch Weitsicht und Einsatz den Bürgern und der Stadt zu bemerkenswertem Aufschwung verholfen. Sein Name ist mit der jüngeren Geschichte der Stadt Merzig eng verknüpft.

Ernst-Thiel-Cup 2017

Thielsparkhalle
Von-Boch-Straße 73
66663 Merzig

Datum: 12. + 13. August 2017

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